I Can’t Live Without My Radio

Sich den Namen des griechischen Gottes des Traumes, dessen Symbol die Kapsel des Schlafmohnes ist, als DJ Pseudonym auszusuchen, ist wohl nicht die schlechteste Wahl. Besonders nicht für DJ Morpheus. Der hat als A&R-Kopf für das belgische SSR Label in den Neunzigern ganze Arbeit geleistet. Vor allem mit seiner Freezone-Serie. Die dehnte die Begriffe „Ambient“ und „Chill Out“ so weit, dass von Kruder & Dorfmeister über Josh Wink und Herbert alle beim „horizontal dancing“ mitmachen durften. Für Tigersushi zeigt der 1980 von Tel Aviv nach Amsterdam ausgewanderte Morpheus sein anderes Gesicht. Als Kunstfuzzi, Galleriepunk und New-Wave-Aristokrat war er Frontmann der Proto-Kunst-Punker Minimal Concept, bevor in Brüssel bei einem Radiosender seine Künste als Programmgestalter entwickelte. Die kommen hier wieder zum Tragen. Morpheus versammelt obskure (Age of Chance), weniger obskure (The Respopents) und gänzlich bekannte (Heaven 17 mit unschlagbarer Botschaft) Bands und Künstler, die in den Achtzigern spannende, neue und aufregende Musik machten. Die Mischung aus Punk, New Wave und Kunstschule klingt jedenfalls immer noch passabel und im besten Fall sogar überwältigend (Medium Medium mit „Hungry, So Angry“). Da möchte man gerne wissen, wer das Sage von den Achtzigern als schrecklichstes Jahrzehnt in Umlauf gebracht hat. Die fühlten sich selten so substanziell an wie hier.
Tipp: Heaven 17 „We Don’t Need This Fascist Groove Thang“, Shriekback „Accretions“ (Monstrous Dance Mix), Age Of Chance „Kiss“

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