Hundred Million Light Years

„Die Liebe zu meinem Sohn Kaito spielt definitiv eine große Rolle, wenn ich für das gleichnamige Projekt Musik produziere. Deswegen sind die Platten auch so extrem emotional und bewusst »schön« gehalten.“ (Hiroshi Watanabe, 2002) An diesen musikästhetischen Grundparametern hat sich auch beim dritten Kompakt-Album des japanischen Mittdreißigers wenig geändert, ganz im Gegenteil, irgendwie scheint der ehemalige Save-the-Robots-Respopent Watanabe jetzt erst so richtig in seinem japanischen Familienglück-Exil angekommen zu sein. Die eigene Gefühlswelt musikalisch so exponiert dazustellen ist natürlich immer ein riskantes Unterfangen, und man kann Watanabe sicherlich vorwerfen, dass er mit der in den Linernotes geschilderten Fantasie der Erde als einer Familie, ohne Krieg, nur mit Liebe, Frieden, Kinderlachen als hoffnungsvollster Utopist des Jahres durchgehen könnte. Indes, träumen wird man ja noch dürfen, und was die gegenüber dem Albumdebüt "Special Life" sinnlich noch einmal perfektionierte Neotrance bei allem barockem Zierrat und opulenter Flächenseligkeit auszeichnet, ist die immer wieder streng symmetrische, rhythmische Basis, der Kick des Bassdrum-Metronoms als strukturelle Gliederung der zuckersüßesten Hymnen elektronischer Tanzmusik, die Ihr Euch nur vorstellen könnt. Schade, dass sich Kompakt entschlossen hat, nur zwei Tracks aus dem Album als begleitende Vinyl-EP auszukoppeln, ich bin doch hier sicherlich nicht der einzige DJ-Romantiker, oder?

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