Horror Disco

Na ja, einen viel näher liegenden Albumtitle hätte sich Guglielmo Bottin nicht unbedingt ausdenken können. Und das als Italiener! Auf seinem Debütalbum baut der Venezianer Bottin – der schon bei, ähm, Italians Do It Better von sich hat reden machen und der es 2008 mit seinem ersten Track „Fondamente Nove“ auf die schöne Compilation Cosmic Balearic Beats Vol. 1 geschafft hat – einen Hybrpopen aus Disco der extraspeziell italienischen Prägung und seiner privaten Vorliebe für mit Eingewepopen und Psychedelia aufgeladene Horrorfilme (Fulci, Argento) der siebziger Jahre. Auf Steve Koteys Label Bear Funk ist er damit ja gut aufgehoben. Der Gruselaspekt in Bottins Musik manifestiert sich aber eher in der tendenziell sinistren Atmosphäre im Geiste von John Carpenter – dabei glücklicherweise nie bedeutungsschwanger „düster“ gemeint, sondern vielmehr humorig – und im trashigen No-Budget-Feel der Platte denn im ewigen Zitieren des wabernden Geisterrocks der italienischen Säulenheiligen Goblin. Wenn schon Gitarren, dann eben nicht krautig mäanderndes Gedaddel, sondern lieber ein paar funky aus den Saiten geleierte Licks. Insgesamt lebt dieses Album von seiner, mit anderem aktuellen Disco-Schwulst verglichen, nachgerade reduzierten Produktion und ist zudem wesentlich garstiger und scheppernder als so viele andere Neodisco-Schmeichler diese Tage konzipiert. Horror und Spaß, Vocoder-Stimmen und Kuhglocken-Gebimmel, super Platte.