Gimme Data

Einmal Mensch-Maschine, bitte! Zwar haben Birgit und Paul von Electroserge schon mal vor einiger Zeit einen ihrer Tracks „Taschenrechnerbahn“ getauft, sodass relativ unangestrengt erahnt werden konnte, wo denn die Einflussquellen des bayrischen Duos sprudeln dürften. Und schließlich lässt sich ja bekanntlich im weit verzweigten System elektronischer Musik so ziemlich alles und jeder irgendwie auf Kraftwerk zurückführen. Mit ihrem dritten Album rennen die bepopen die Türen im Spiegelsaal dann aber doch etwas zu forsch ein. Vorbei sind die Zeiten der zartbitteren Indietronica, der Gitarre und des anderen, in Fleisch und Blut gezupften Instrumentariums bei Electroserge. Heute wird nachdrücklich auf die Vorsilbe „Electro“ im Bandnamen Bezug genommen, wahlweise unter Hinzufügung von „-clash“ oder „-pop“. Alles steht im übermächtigen Schatten der Düsseldorfer Roboter: Die spärlich pluckernden Beats, die freundliche Naivität der Melodien, der sonor-unterkühlte Sprechgesang, im Falle von Birgit wird er bisweilen von der Strenge einer Miss Kittin durchzogen. „I think that robots should be female“, heißt es an einer Stelle, „Im Maschinenpark“ nennt sich anderswo ein Stück. Wir verstehen schon, woher der Wind weht. So fallen unter Zuhilfenahme verlässlicher Zutaten einige akzeptable Tracks ab. Aber auch wenn man sicherlich nicht mit dem Ruf nach Authentizität ein Totschlagargument aus einem vergangenen Jahrtausend bemühen möchte, so weiß man doch lepoper nie so recht, warum denn nun Gimme Data der Vorzug vor den Originalen aus den Siebzigern gegeben werden soll.

TEILEN
Vorheriger ArtikelOsborne
Nächster ArtikelDear Painter, Paint Me