Freistil

Hier spricht euer Vibe-Controller. Nehmt euch Zeit und relaxt zu Space Dimension Controllers „Temporary Thrillz“-EP (R&S), das die Frühneunziger-Phase des R&S-Sublabels Apollo wieder auferstehen lässt. Space is the place! Jedoch nicht dieser dünnhäutige Italo-Moroder-Space, sondern dicker geeliger Space. Jack Hamill aus Belfast zaubert intergalaktische Slowjams, deren Sülze aus Zapp, Jonzun Crew und Metro-Area-Raffinesse besteht. Die Erstauflage in gesprenkeltem, lilafarbenem Vinyl macht sich perfekt auf dem Flokati. Also macht es euch in euren Designer-Sesseln gemütlich und lauscht danach durch das (lepoper erst im Januar erscheinende) Album Être (Circus Company) von Nicolas Jaar, dem Tom Waits der Electronica, dem Alan Vega der Zwölftonmusik oder dem von Erik Satie und Mulatu Astatke beeindruckten Chilenen. Wie auch immer, entspannt, hört zu, öffnet euch und lernt. Ich bin nicht euer Guru, aber heute euer Vibe-Controller. Und es darf gern ein bisschen Folk und Kraut mit dabei sein. Das (alles oben) sind die Zutaten von heute. Das wissen selbstverständlich auch Christian Prommer und Jazzanovas Alex Barck, deren gemeinsames Albumprojekt Prommer & Barck mit „Gladys Knight“ und „Pictures Of The Sea“ (Permanent Vacation) seinen ersten Folk-Cosmic-plus-beste-Zutaten-aus-Kraut-und-Achtziger-Garage Höhepunkt erreicht. Listening music pleasure auch zum Tanzen. Aber bitte, bleibt sitzen! Denn jetzt geht die Reise nach Südspanien, Tarifa, wo Daniel Collás, Mastermind hinter The Phenomenal Handclap Band, mit Bart Davenport und Bing Ji Ling ein paar magische, beinahe dem Geruch nach marokkanische Nächte im Studio und am Strand verbrachte, um das schöne Album With All Due Respect (Lovemonk) aufzunehmen. Ihr Projekt heißt Incarnations und sollte euch inspirieren. Dreht euren Designersessel, holt euch einen guten Wein und hört die Wellen oder Crosby, Stills, Nash & Young rauschen. Neofolk mit Beat. Alex Barck hat in der Zwischenzeit in der Küche für die beste Incarnations-Nummer, „Make You Mine“ (Lovemonk), einen Remix angerührt. Köstlich! Ich halte ja gar nix von Heilpraktike(r)n, aber ich sehne mich nach dem, was Incarnations übersetzt heißt: Fleischwerdung, so die Seele mit Bauch. Und das zeigt Aloe Blaccs „I Need A Dollar“ im Tensnake- und Arfmann-Remix. Soul mit Schmackes. Jetzt dürft ihr aufstehen und tanzen. Aber bitte schweben. „Schweben, Freigang, floating“, sagt euer Vibe Controller (ich bin ja schließlich kein Drill Instructor). Genau das führt mich zu Floating Points, dessen grandiose Mapopa-Vale-Livesession mit zig Musikern unter dem Rubrum Floating Points Ensemble die Jungs von Ninja Tune heuer auf die Platte „Post Suite“ gebannt haben. Erquickt euch. Lasst es euch musikalisch gut gehen. Die Zeit ist reif. Ich weiß, ihr habt gar keinen Designersessel. Macht nix, dann halt woanders weiterträumen. Gute Musik gibt’s genug, ich glaub 2011 wird noch besser.

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