Freaks R Us

Aus Johannes Heil soll mal einer schlau werden. Man kann sich wohl kaum unterschiedlichere Longplayer als die letzten drei Heil-Produktionen "Across The Nation" (als State Of Chaos, 2002), "20.000 Leagues Under The Skin" (2003) und "The World" (2004) vorstellen, und mit dem Debüt für Klang Elektronik hat er sich jetzt einfach noch einmal neu erfunden. Narrativer Techno for the masses ist das hier, wobei man den Begriff Masse hier wirklich nur als wertfreie Definition der Zugänglichkeit verstehen sollte. Okay, natürlich spielt dabei eine nicht ganz unerhebliche Rolle, dass 2005er-Konsenstracks wie "Geht´s Noch" oder "Der Mückenschwarm" die Bassline als tragendes Erkennungsmerkmal wieder salonfähig gemacht haben, und falls man aufmerksam zuhört, fallen einem zwischen Robert Armani, Harthouse und Dave Clarke noch einige augenzwinkernde Querverweise auf. Doch wenn "Warrior Of The Light" mit dem Beschleunigungsfinale völlig wild geht, State of Chaos-Partner Simon Wotton den Green Velvet gibt ("Tree Of Life"), die tragische Stringstrance von "Rescue Me" mit höchstpersönlich von Heil eingesprochenen Flüstervocals brilliert oder "The Magician" sogar das Orchesterhit-Sample wieder stilvoll an den Start bringen kann, braucht man sich um die Wirkung auf der Tanzfläche keine Sorgen mehr zu machen. Und auf die zusammen mit Ralf Hildenbeutel eingespielte orchestrale Soundtrack-Oper "The 1st" wäre wahrscheinlich sogar ein Craig Armstrong nepopisch. Das Techno-Album des Jahres 2006?