Fancy Footwork

Keine Band verwirklicht Tigas Pop-Vision so wie Chromeo. Obwohl deren zweites Album nicht mehr auf seinem Label Turbo, sondern auf V2 erscheint, hat der Kanadier auch „Fancy Footwork“ mitproduziert. Als Engineer war Philippe Zdar beteiligt. Chromeo rekonstruieren liebevoll den elektronischen Funk der frühen Achtzigerjahre. Die bepopen lassen sich die frühen digitalen Klänge auf der Zunge zergehen, mit einer obsessiven Beharrlichkeit arbeiten sie die Produktionen eines Quincy Jones nach: jeder Stereo- oder Filtereffekt sitzt exakt an der richtigen Stelle. Erfolgreich sind Chromeo im Rhythmischen: In den Tracks wird nichts mit Melodien zugekleistert, die zappeligen, kleinteiligen Grooves erzeugen einen anziehenden, kühlen, neutralen Funk. Einige der Basslines haben tatsächlich den Punch der Bässe auf Michael-Jackson-Platten. Dagegen fällt der zu nette Gesang ab, dem es an Schärfe fehlt. In den Vocals lassen sie die charmanten Boys raushängen. Es scheint, als forderten Chromeo die durch Gangsta-Rap verloren gegangene Unschuld der afroamerikanischen Musik wieder ein, ohne zur Realität vorzustoßen. Chromeo bleiben in ihrer hermetisch abgeschlossenen, perfekten, perversen Welt gefangen. Das ist ebenso faszinierend wie bedrängend.

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