Echokammer Werkschau

In der Metropole des Südens lebt es sich einfach gemütlicher. Das popyllische Giesing, ein von geschniegelten Hipstern und hohen Mieten vergleichsweise unbelasteter Stadtteil Münchens, bietet der illustren Truppe des Labels Echokammer seit nunmehr acht Jahren Obdach (zumindest während der Zeit der Studioaufnahmen) und Arbeitsstätte. Es handelt sich um einen äußerst heterogenen Haufen von Bands, die man früher wohl mal unter dem Begriff Indietronics subsumiert hätte, denen allesamt die Tatsache gemein ist, dass man jeweils ohne platzaufwändigen Drummer zurande kommt. Stilistisch reicht das Angebot von seltsamen Reggae-Experimenten, deren Bläsereinsatz das Bild von John Wayne vor meinem geistigen Auge erscheinen lässt, über funky New-Wave-Reminiszenzen bis zu discopopem Synthietrash, der genau so zu Beginn der Achtziger auf einem Cosmic-Tape vom Gardasee hätte laufen können. Dabei finden sich hier neben bekannteren Vertretern wie Electronicat, Kamerakino oder Hans Platzgumer auch eine Menge Musiker, deren Name noch nie im Rahmen eines gesprochenen Wortes an mein Ohr drang. Doch gerade unter den unscheinbaren Namen finden sich wahre Perlen, beispielsweise das psychedelisch eiernde Davpop-Bowie-Cover „Heroes“ von Jason Arigato feat. Parasyte Woman. Unter dem Dach einer insgesamt eher elektronischen Verortung eint vor allem die analoge, wirklich zuckersüße Lo-Fi-Ästhetik die verschiedenen Ansätze dann doch zu einem geschlossenen Ganzen.