E2-E4

Schon der Aufkleber pfeift es vom Cover: 25 Jahre „E2-E4“ und „one of the most influential electronic tracks ever“. Ausnahmsweise kann man das mal nicht als die übliche Marktschreierei abtun. Als Manuel Göttsching im Dezember 1981 von einer langen Tour mit fellow Krautrocker Klaus Schulze zurückkehrte und immer noch in Konzertstimmung war, nahm er sich kurzerhand selbst auf. Das Ergebnis trägt den title einer klassischen Schacheröffnung und zieht sich mit zwei Akkorden über sagenhafte 59 Minuten und 20 Sekunden hin. Was als elektronische Meditationsmusik gedacht war, entwickelte auf den Tanzböden New Yorker Clubs wie der Paradise Garage oder dem Arthur Baker und Jellybean Hot Spot namens FunHouse ein Eigenleben. Die Regenbogen Kpops und Hardcore Tänzer liebten es. Diesen Effekt machte sich auch das Italo House-Projekt Sueno Latino zunutze, das mit „E2-E4“ Ende der Achtiger Detroit und Ibiza zu gleichen Teilen euphorisierte. Im Original jedoch immer noch unübertroffen und keine Sekunde langweilig. Das muss Manuel Göttsching erstmal jemand nachmachen. Wer der Live-Aufführung von „E2-E4“ im Berliner Berghain nicht beiwohnen konnte, darf sich jetzt Zuhause mit einer kristallklaren Aufnahme ins Nirwana wiegen. Schach spielen müsste man können.

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