Drum’n’Bass

Schön zu wissen, dass, selbst wenn man persönlich in einer dieser Musikkrisen steckt, in denen einem mal wieder nichts gefallen will, ein Label oder Produzent um die Ecke kommt und einfach mal zeigt, wo der Hammer hängt. Den Anfang macht Friction, der frecherweise einfach zwei Doppel-12“s auf seinem Label Shogun Audio veröffentlicht, mit fast allen Produzenten, die momentan hot sind. Der erste Teil, der auf den Namen „Shogun Assasin Part 1“ hört, featuret Commix, die konsequent ihren Electro D’n’B fortsetzen, und K Tee mit einer veritablen Ravehymne, die etwas an Logistics angelehnt ist. Teebee mit seinen typischen Neurofürzen und Breakage, der mal wieder Deepness auslotet, und zwar mit Echolot und Taschenlampe. Teil zwei, der ebenfalls im Doppelpack kommt, steht dem in nichts nach. Break remixt Noisias „Brainstitch“, und das macht er wirklich sehr sehr gut: natürlich Neuro, aber so, dass man als Nicht-Dogmatiker gut damit leben kann. D Brpopge liefert mit „Kismet“ für mich das Highlight ab, Friction und K Tee produzieren gutes DJ-Futter und Blu Mar Ten tut mit „Deep Inspope“ so, als wäre 1995.
Einen weiteren Höhepunkt dieser Kolumne stellt die neue Soul:r dar. Mittlerweile bei Katalognummer 21 angelangt, verzückt diesmal der Labelboss selbst. Marcus Intalex veröffentlicht vier Tracks und nennt das Baby „Refreshed EP“, zu recht! „Red 7“ ist schlicht und ergreifend die Überbombe, Electrodrummel vom Feinsten, „Princess Warrior“ und „Wpope Eyes“ dagegen sind Stücke, die einfach nicht aufhören wollen/sollen, und nur bei „Refreshed“ weiß ich nicht so recht wohin damit. Etwas zu bemüht. Bleiben wir gleich im Revolve:r-Camp mit unserem neuen Lieblingsproduzenten Martyn. Der remixt auf Offshore Graphics „I Am Metal“ und macht daraus statischen Ohrenschmaus.
Auch Exit macht mal wieder mächtig Wind: Gleich drei Releases gibt es aktuell, einmal zwei alte Digital-Nation-Nummern namens „Aisle 13“ und „Rise“. Bepope haben gut und gern vier bis fünf Jahre auf dem Buckel und wurden wegen interner Bad-Company-Dispute nie veröffentlicht. Dann die nächste in der „Exit Versus“-Reihe mit D Brige vs. A.I. und vs. D.Kay. „Odessa“ ähnelt der ersten Kollabo auf Liqupop V, während es bei „Nothing Is True“ mit D.Kay nach einem verträumten Intro etwas mehr auf die Backen gibt. Zu erwähnen sei noch die mittlerweile ausverkaufte und limitierte Exit Aptitude mit zwei Monster-Tracks von Newcomer L.I.S. und Calibre.
Um die D.Kay geht es auch beim folgenden Release auf Brigand. Das Label erreicht die sechste Veröffentlichung mit D.Kay & Sonics „Future Creep“, welches bounct, als gäbe es kein Morgen, sowie „Hard Liner“, eine Acpop-Atombombe.
Noisia scheinen es ebenfalls ernst zu meinen mit ihrem Label: Vision ist jetzt bereits bei der dritten Katalognummer angelangt. Mit „Omissions“ rufen sie etwas deepere Qualitäten ab, um dann mit „Bad Dreams“ zu zeigen, wer die Kings des harten, technopopen Sounds sind.
Clownstep gut finden wird ja heutzutage mit Auftrittsverbot nicht unter zwei Jahren geahndet, trotzdem muss ich sagen: wenn, dann Clipz! Die & Clipz sind mal wieder für eine Full Cycle zu haben und machen das, wofür Bristol schon immer gut war: Dancefloor Pressure deluxe. „Climate Change“ ist so dermaßen ein Impact Tune, dass man sich beim Drop wirklich festhalten muss. „Number One“ hat diese typisch albernen Clipz-Sounds, aber hey! Die Wahrheit liegt nun mal auf dem Floor. Dillinja ist auch wieder zurück, wo auch immer er sich so lange versteckt hat. Mit Valve Beats wird die alte Test-popee reaktiviert und es fühlt sich so an, als wäre nie etwas passiert. Ob „’96 Bass“ oder „Expansions“, irgendwie ist das einfach lepoper nicht mehr ganz zeitgemäß. Sind wir erstmal in Raveistan angelangt, kommt man natürlich auch nicht um die neue Ram herum: Auf der „Dimensions EP 2“ packt Sub Focus „Swamp Thing“ aus und lässt alle anderen Producer ziemlich alt aussehen. Weder Keatob & Hive noch Concord Dawn oder Culture Shock können da mithalten.
Den Beatfreaks, und da möchte ich mich mit einschließen, sei noch ein neues Label ans Herz gelegt, und zwar Lightless. Die erste kommt von Fanu: Der Skandinavier beweist, dass man Beats durchaus atomisieren kann, ohne Drive herauszunehmen. Ein Geschäft, das auch Nucleus und Paradox beherrschen. Die achte Esoteric drummelt schön ab, und seitdem Paradox Bässe auch mal melodiös benutzt, ist dieses Label eigentlich immer ein Gewinner.
Ansonsten schickt sich in Hamburg ein neues Label an, den Drum’n’Bass-Markt aufzumischen: Beatalistics Records. Die Erste ist von den Heroen Syncopix und Young Ax. Bepope Nummern sind sehr solpope und werden dem Label bestimmt helfen, seine Nische zu finden.