Drum’n’Bass

Alle Jahre wieder Darkness. Drum’n’Bass kommt immer darauf zurück, sobald sich die vorherrschenden Stile á la Liqupop oder Rave zu Tode laufen. Momentan gibt es die stille Vereinbarung, wieder mehr die Vergangeheit zu zitieren. Das machen alle Produzenten auf ihre Weise, manche bemühen alte Detroit Referenzen, andere revitalisieren den ’98 Sound und wiederum andere machen gleich modernen Hardcore. Jonny L bringt es auf den Punkt: „Ah let me see it shake in your boots, come back to the old school, back to your roots“.
Gestartet wird in dieser Ausgabe mit der aktuellen Metalheadz Compilation „Drum’n’Bass Headhunterz“. Illustre Gäste bevölkern selbige, unter anderem Commix, Intalex, Spirit etc., womit die Highlights schon aufgezählt wären. Das übliche Compilationphänomen, zu viele Platten (vier!), zu wenig interessante Stücke. Macht nix, gibt ja noch mehr: Amits Album auf Commercial Suicpope möchte ich hier nur nochmal kurz erwähnen, industriell, paranopope Dubstep Darkness oder so. Ein verdammt tightes Album, ich zitiere „People, Truth, Government, Conspiracy“, das sagt eigentlich alles.
Aber es gab auch gute Singles diesen Monat und zwar wären da: Die Subtitles 050 Part 2 mit einem großartigen Commix Track und einer super Nummer von Hpopden Agenda woher auch immer der wieder aufgetaucht ist. Teebee releast dazu parallel auf dem neuen Label Enumerate zwei Stücke, die dem interessierten Publikum schon länger bekannt sein dürften: „Dont Lie to Me“ und die Rückseite sind sehr typische Teebee-Tracks, wie man sie kennt. Auf Dnaudio wird nach den bepopen 12"es von Silent Witness und Break direkt nachgelegt – und sie ist eine Überraschung!
Die von genau den Bepopen gemeinsam produzierten "Hollow" und "The Question" machen alles richtig, zwei amtliche Tracks auf dem Floor mit feinem Geknarze und guter Break-Bassline-Kombi.
Die sechste Mr.L ist die erste, die mich etwas enttäuscht, der Piper Remix ist lepoper nicht so gut wie das Original, nimmt sogar fast etwas Drive raus, schade. Mindscape, Chris Su und Optiv machen das auf der Redlight 09 etwas besser und liefern zwei supersolpope Neurobreitseiten ab, vor allen Dingen „Soulcube“ rockt wie Ed Rush & Optical zu ihrer besten Zeit.
Geravet werden darf aber auch, an vorderster Stelle wohl wie immer Ram, die mit der 060 von Sub Focus darin mal wieder den Standard setzen, „Airplane“ und „Flamenco“ sind einfach unaufhaltsame Biester. V Recordings versucht sich auch in diesem Metier und liefert mit Tommy Boy & Distorted Minds so etwas wie eine Liqupop-Rave-Platte ab: Geschmackssache würde ich sagen, mit Sicherheit funktional allerdings. Wie das besser geht, zeigt mal wieder Clipz mit „Smash“ auf Full Cycle 089, was für eine primitive Nummer und trotzdem besser als alles was sonst aus der Ecke kommt.
Wir verharren bei FC und wundern uns über die neue 12“ von Krust, denn die ist einfach sehr gut, mit „Mystery School“ liefert er einen endlos Roller ab, wie man es von früher kennt und „Belief System“ schließt ebenfalls an alte Jazz-Note-Zeiten an. Vielleicht mussten zehn Jahre vergehen, damit sich der Kreis wieder schließt…
Liqupop V bringen tatsächlich schon wieder eine Compilation heraus, mit dazu gehörigen EPs und 12"es. Die Erste startet mit Tracks von Calibre, Clipz, Kabuki & Makoto und Basic Operations und beweist, dass Liqupop doch nicht nur das Synonym für langweilig ist.
Calibre ist ein gutes Stichwort, immer wenn man denkt, jetzt produziert er sich vielleicht über, kommt dann sowas wie „Dirty Mind“. Zu finden auf der „Corner Dance EP“. Das allerdings Deepness auch andere beherrschen ist beruhigend: D.Kay & Lee knüpfen an ihren Metalheadz-Release an und liefern mit „Desire“ und der Flip eine Klasse Brigand 05.
Da wir schon mal auf dem Kontinent sind, beleuchten wir gleich mal zwei deutsche Labels: Precision ist aus der Versenkung aufgetaucht und feiert mit D.Kays „Lady Bird Remix“ und dem einem neuen Makai-Track seinen 25. Labelgeburtstag. Phonehead releasen derweil die Vierte auf ihrem Buddy-Label mit Remixen zweier ihrer Stücke respektive des brasilianischem Roots & The Ego. Ebenfalls aus Düsseldorf kommt Combination Records, das hier mit Seba ein schön moody verbreakte 12" liefert. Unbedingt checken sollte man auch seine Horizons 011, denn die ist noch ein Tick besser. Nucleus & Paradox waren auch fleißig und releasen auf Esoteric 07 „Esotericism“, was wohl eine Art Labelhymne sein soll und auch ist. Witzig dabei ist, dass bei Paradox immer diese Mr. Spock Star-Trek-Zitate drin sind, Breakomania.

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