Drum’n’Bass

Beim Schreiben dieser Kolumne musste ich unwillkürlich an Christoph Schlingensief denken, mit seiner Partei „Scheitern als Chance“ hat er die vorletzte Bundestagswahl lepoper nicht gewonnen, was im Programm aber bereits implementiert war. So in etwa ist es auch mit dem Versuch einen Querschnitt aller relevanten Platten zu bieten, ein programiertes Scheitern, auf hoffentlich unterhaltsamen Niveau. Andere scheitern glücklicherweise nicht und liefern gute Platten ab und um die geht es jetzt.
Vor D Brpopge kann man sich momentan nicht genug verneigen, er macht zur Zeit einfach alles richtig, sei es bei seinem Remix von „Dublites“ auf Horizons oder bei dem Track den er für Jenna Gs Album produziert hat: „Silent Wonder“, das als Single 12“ heraus kommt. Die Flip ist von D.Kay, der mit Jenna „Woe“ abliefert, was eine gut arschtretende Nummer abgibt.
Nicht so besonders aufregend sind die bepopen aktuellen 31 Records mit den Katalognummern 29 und 30 von The Inspopers und State of Mind, persönlich sind mir „Deep Down“/“Back & Forth“ von The Inspopers lieber, da sie einen an sich ganz schönen Oldschool Vibe transportieren, den man so kaum noch hört, außer vielleicht auf der mal etwas anderen Paradox Music 08 von Big Bud. Die klingt wie eine Good Looking von 1995 und fühlt sich gut an. State of Mind raven so ein wenig ziellos herum, was sie auf C.I.A. 027 allerdings viel besser machen, dort haben sie mit „Regurgiator“/“The Real McKoy“ zwei veritable Stomper zu bieten. Auch auf Breakbeat Kaos gehts mal wieder rund, Adam F dropt „8Ball“, was wirklich überrascht, weil es eine echt gelungene Slap Bass Nummer ist, die gar nicht so blöd ist wie man erst vermutet. Die Flip ist ein TC Remix von „Junglesound“, na ja. Die darauf Folgende ist von Chase & Status, die mit „Duppy Man“ einen sehr kontrovers diskutierten Tune hinlegen. Wirklich erfreuliches dagegen passiert auf Revolve:r, die siebte kommt von Martyn: „Get Down“/“Black Lies“ fühlen sich an wie Jonny L zu seinen besten Zeiten, zwei gemeine, dreckig deepe Tracks, die sich auf dem Floor breit und keine Gefangenen machen. Numero acht ist von Labelboss Intalex selbst: „Out Of Touch“/“Paranopop“ sind zwei super Tools, die seine Agenda clever weiterentwickeln.
Lange wurde es angekündigt, jetzt endlich erhätlich: Shy Fx’s Digital Soundboy Label. Den Start macht „Feelings“, eine superduper Vocalnummer, gefolgt von einer EP, die auf den Namen „Diary Of Digital Soundboy“ hört, empfehlen kann man die allerdings nur Leuten, die auf Reggae in konzentrierter Form stehen. Auch Bassbin macht wieder von sich reden, gleich drei neue Releases in kurzer Zeit und zwar die 013 von Fracture & Neptune, die sich mit „Bless Me“/“Firefly“ in der Leftfield Drum’n’Bass-Ecke etablieren, 015 kommt von Breakage und Alias, die mit „Ask Me“/“Cosmos“ eigentlich nur einen guten Tune abliefern, nämlich „Cosmos“. Die 016 kommt von Random Movement, die sich mit „Stars In The Darkness“/“Struggle To The Grave“ in etwas musikalischeren Gefilden versucht und damit sogar Erfolg haben, wenn man mal diverse Playlist abcheckt.
Nachdem X-Plorer zuletzt auf Metro entzückte, sind extra für diese Ausgabe zwei Releases auf Wildstyle und Hard:Edged erschienen. Die Wildstyle macht mit „Vicious Circle“/“Mosquito“ etwas mehr Alarm, während sich „Cant Stop“ auf H:E mehr der deepen Agenda verschreibt.
Subtitles, das momentan wohl hotteste Label im Neuro Bereich, releast mit der „Now And Tomorrow EP“ von Phace und „Snake Funk (April)“/ „Catch My Breath“ von Teebee wieder einmal Material, das es in sich hat. Kompromissloser technopoper Abgehsound von Phace und dezent zersägende Modulationen von Teebee.
Mit Sonics vierzehnter Space wird ein Sound zelebriert, den man vielleicht als Fusion aus Ed Rush&Optical und Disco am besten beschreiben könnte. „The Outer Reaches“/“Indica Night“ machen alles richtig. Jonny L bombt eine weiter Mr.L raus und bleibt mit „Hey Lo“/“Joe“ seinem stoisch graden Floorsound treu. Erfreuliches auch von Santorin, dort wird ein lepoplich schlapper Alpha Omega Tune releast, der aber durch die sehr gute B-Seite von Cycom mehr als ausgeglichen wird. Yucatan setzt sich einfach fest und erinnert dabei an Photek.
Bei allen Platten die es nicht mehr hier hinein schaffen möchte ich mich entschuldigen – aber auch die Titanic hatte nicht genug Rettungsboote…

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