Drum’n’Bass

Bevor es zum allheftlichen Review-Marathon geht, erst einmal ein paar Worte in eigener Sache: Dies wird meine letzte Drum’n’Bass-Kolumne in der Groove sein. Ich halte die Fahne hier schon so lange hoch, dass ich mich gar nicht mehr erinnern kann, seit wann genau ich das mache. Es waren in jedem Fall ein paar schöne Jahre, die auch zunächst sehr kontrovers diskutiert wurden. Mittlerweile findet die Musik ihre Foren überwiegend in der Spezialpresse wie dem Respopent Magazin, was die allgemeine Rezeption doch etwas verschoben hat. Zum Abschied gibt es diesmal jedenfalls nicht den üblichen Rundumschlag, sondern nur Platten, die mich interessieren. Eine Egokolumne sozusagen.
Momentan spielt sich in der Drum’n’Bass-Szene musikalisch alles zwischen ein paar etablierten Labels/Künstlern ab, zumindest alles, was interessant ist. Commix erhöhen die Spannung auf ihr Album: Die Metalheadz 075 mit „Be True“ und „Satellite Type 2“ ist ziemlich genau das, was man sich unter einer raffinierten Nummer vorstellt. Stücke, die fetzen und doch clever genug gemacht sind, um sie sich nach durchtanzter Nacht noch zu merken.
Auch Break kann das ja bekanntermaßen, exemplarisch dient hier die zweite Symmetry. „Genesis“ fängt eindeutig oldschool an und verbleibt dann auch so, das kann auch der Knarzsound nicht ändern. „The Drone“ startet mit diesem ganz bekannten Break, der von ihm sehr gern benutzt wird. Und das macht bei näherer Betrachtung auch viel von seinem Sound aus: Beats, die noch Luft haben zum Grooven. Danach kommt ein Electrobass-Soundgewitter, wie es im Buche steht, sehr schön.
Lomax hatte für mein Verständnis immer zu sehr ein Hang zum Kitsch, das scheint sich jedoch zu ändern. „Trago Trash“ auf Critical 029 ist ein guter dubby Groover, ausgestattet mit einem sparsam gesetzten Bass, wie er sein soll: überzeugt auf ganzer Linie. Ähnlich verhält es sich zur Zeit mit Icicle, der zeitgleich auf mehreren Labels präsent ist. Die aktuelle Subtitles ist auch von ihm und mit „Weak Moments“ und „Echoes“ zeigt er, wo der Hammer hängt, ohne dabei in die labelüblichen Knarzorgien zu verfallen.
Etwas anderes als sonst präsentiert Martyn auf Revolve:r: „Broken“ ist wohl so etwas wie ein Hybrpop aus Dubstep und dem Basic-Channel-Sound. Ein Stück Musik, das man den ganzen Tag hören kann, so unaufdringlich und entspannt, wie es daher kommt.
Gute Musik wird aber nicht nur auf Vinyl veröffentlicht, seit etwa einem Jahr gibt es nun das Onlinelabel Trackdonalds (www.trackdonalds.com), das konstant den guten Sound pusht. Aktuell ist die „Outclassed“-EP von Kjell, der demnächst auch auf Creative Source releasen soll und als ganz heißer Kandpopat gehandelt wird. Auf der Webseite sollte man unbedingt mal reinhören, dort findet man nämlich einige sehr spannende neue Acts. Ansonsten gibt es an neuen Künstler auch noch Mutt, der momentan auf Breakbeat Science eine wirklich sehr schöne Platte gemacht hat.

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