Dirt & Gold

Nichts weniger als den ganz großen Wurf scheint der Däne Peder mit seinem zweiten Album im Sinn gehabt zu haben, zeichnen sich die 13 mitunter recht heterogenen Stücke doch ausnahmslos durch avantgardistischen Keckheit und technische Perfektion aus. Stilistisch schwierig auf einen gemeinsamen Nenner zu bringen, werden die einzelnen Ansätze durch ein introvertiertes Moment kafkaesker Verschachtelung zusammengehalten, und man wäre fast schon dabei, das verstaubte TripHop-Etikett aus der Kiste zu ziehen, stünde nicht Jazz in seinen mannigfaltigen Facetten ganz zentral im Vordergrund: sowohl in der Instrumentierung, als auch in der Ästhetik der Gesangsbeiträge, deren Auswahl mit Oh Land, Jacob Bellens, Claus Hempler und einigen anderen ein gelungener Querschnitt durch den avancierten Popkosmos Kopenhagens ist. Jeder Song bleibt so für sich speziell und öffnet ein Fenster zu einer losgelösten Welt, in der Pop noch Eleganz mit Sperrigkeit verbinden kann. Hier und da scheinen in den Rhythmusstrukturen auch Analogien zu Peders in den vergangenen Jahren immer wieder überzeugendem HipHop-Projekt The Prunes auf, ohne jedoch je dominierend werden zu wollen. Die perfekt durchkomponierte Ästhetik von Dirt & Gold zeigt sich als autarker Entwurf einer neuen Form von Popunderstatement zwischen Jazz und Soul, die so hinreißend wie schon lange nichts mehr auf ganzer Linie überzeugt. Großartig, nicht weniger.

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