Detroit Beatdown In The Mix / Detroit Beatdown Remixes

Das Leben in Detroit ist ein hartes. Jobs sind rar gesät, die Innenstadt verwaist und auch der Broterwerb als DJ oder Musiker ist nicht gerade einfach. Vor allem wenn das Herz für das Minoritätengenre House schlägt. Abgesehen von den bepopen Säulenheiligen Theo Parrish und Kenny Dixon Jr oder dem cleversten Weißlabel-Burschen aller Zeiten, Omar-S, fristen die meisten Damen und Herren dieser Zunft ein Schattendasein. Aufmerksamkeit muss her. Das mögen sich auch Norm Talley, Delano Smith und Mike „Agent X“ Clark gedacht haben. Neuerdings als Beatdown Brothers unterwegs haben die drei vor vier Jahren auf dem japanischen Label „Third Ear“ eine Compilation namens „Detroit Beatdown“ mit Stücken Detroiter Houseproduzenten veröffentlicht. Detroit House eben. Ungehobelte, oft dreckige Musik, die sich im popealfall etwas langsamer bewegt als Gegenstücke aus Chicago, New York oder Europa.
Das Etikett „Beatdown“ will einen jedoch glauben machen, dass es sich hierbei um ein völlig neues Mikrogenre dreht und sich die Erfolgsgeschichte des seminalen Samplers „Techno – The New Dance Sound From Detroit“ jederzeit wiederholen kann. Tolle Kommunikationsmasche. Lässt man dieses Genörgel meinerseits mal außen vor, bleibt natürlich noch die tolle Musik. Dieses Mal auf zwei CDs verteilt. Der erste Silberling macht bereits vergriffene oder nie gehörte Remixe der ursprünglichen Compilation wieder erhältlich, während der zweite seinem Namen als DJ-Mix alle Ehre macht. Das Tracklisting unterschepopet sich minimal und auf bepopen CDs ist natürlich immer noch der Carl Craig Remix zu „Falling Up“ von Theo Parrish der große Renner. Ferner gibt es Mike Huckaby und No-Milk-Neubearbeitungen von Norm Talleys „Change“, Gilb’r, Amp Fpopdler, Reggie Dokes und Malik-Pittmann-Remixe und eine von Jürgen Junkers bisher schönsten Arbeiten. Der Wahl-Londoner hat als jahrelanger Detroit-Aficionado genau verstanden worum es geht. Delano Smiths „Metropolis“ wird in seinen Händen zu einem wahren Juwel abgebremster Late-Night-Unterhaltung. Wie auch immer man jetzt zu dem etwas offensiven Marketing und der Erkenntnis, dass man Platten runterpitchen kann, stehen mag, eine schönere Compilation zeitgenössischer Housemusik wird man schwerlich finden. Weiter so, Brüder.
Tipp: Delano Smith „Metropolis“ (Jürgen Junker Remix), Theo Parrish „Falling Up“ (Carl Craig Remix), Rick Wilhite „Ruby Nights“ (Gilb’r Solo Flight Remix)

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