Dear Painter, Paint Me

Dass es dieser Tage eine digitale Welt voller obskurer Wegelagerer zu geben scheint, die darauf aus sind, mühsam gebastelte musikalische Kunstwerke, die als Promos kursieren, ins Netz zu stellen und damit eine Horde unreflektierter, nihilistischer Konsumkpops zu füttern, kann einen schon nachdenklich stimmen. Vor allem, wenn man die Auswirkung dieser Problematik in Form eines digitalen Tonträgers in den Händen hält, der das Prinzip der Reduktion von der Form auf den Inhalt überträgt. Bei Minus hat man sich entschieden, dieser scheinbar unaufhaltsamen Entwicklung entgegenzuwirken, indem man die Promokopien des Ende Juni erscheinenden Heartthrob-Albums als einen Track verschickt, in dem die sieben eigentlichen Tracks jeweils nur für etwa drei Minuten angespielt werden. Die Dramaturgie innerhalb der Stücke bleibt dabei verschleiert, von jener des Albums natürlich ganz zu schweigen. Was übrig bleibt, ist der Eindruck eines kristallin produzierten Longplayers, der mit einer typisch kühlen Ästhetik aufwartet und sich durch seinen recht reichhaltigen Spielcharakter sicherlich an der Spitze des gegenwärtigen Minimaltechno-Geschehens verorten kann. Funktional auf den Floor gerichtet, wummert Heartthrob präzise der Minus-Fangemeinde entgegen, versteht es aber immer wieder, sich mit seiner Affinität zu melodiösen Synth-Arabesken poppig vom minimalen Mainstream abzuheben. Ja, die Fragmente deuten auf Qualität. Man muss hoffen, dass sie einhalten, was sie versprechen, auch wenn ihr Macher das Rad der Reduktion offensichtlich nicht neu erfindet.