Crash

Das Verhältnis von Tanzmusik und Albumformat ist ja ein Thema für sich. Aber gut, dieser Longplayer ist ja schließlich nicht von irgendwem, sondern von Milton Jackson, und der kennt House in seiner ganzen Mannigfaltigkeit. Discopop, jazzig, soulful – jeder Track weiß hier auf seine ganz eigene Art anzukommen, aufzufordern und abzuholen. Immer wieder. Dabei lehnt sich Jackson gerne bis weit über die Brüstung hinaus und greift nach dem Schwanz dieses da draußen so bedrohlich frei herumfliegenden, räumlich losgelösten Monsters namens „Detroit“. Eben das, was Freerange in seinen besten Momenten immer schon ausgezeichnet hat. Aber selbst wenn ein gewisses Ravemoment in einem Track wie „Crash“ die Oberhand gewinnt und zieht und spannt, um dann zu einer Art Deep-Techhouse der gehobenen Form zu kondensieren, bleibt das so smooth und luftig, wie der Boden in Mutters Käsekuchen. Ja, „smooth“ ist auch so ein Attribut, das man geneigt wäre, jedem einzelnen dieser Tracks immer wieder aufs Neue zu verleihen, denn all die stilistischen Heterogenitäten fügen sich hier aus freien Stücken in den Fluss. „Just be on the rhythm“, heißt es da einmal, und man fragt sich unwillkürlich, warum man so viel abgehungerten House in Hemdsärmeln zu hören bereit war, wenn sich Reduktion doch so klassisch tight und elegant tragen lässt wie hier. Tanzmusik im Albumformat funktioniert eben doch. Etwa wenn 13 Tracks, die samt und sonders jeweils eine Singleauskopplung wert gewesen wären, genug Varianzen aufweisen, um den Hörer bei der Stange zu halten und gleichzeitig so kohärent sind, dass man sie am liebsten als Set hören wollte.

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