Cocoon Morphs Tokyo

Cocoon Recordings feiern ihre fünfzigste Veröffentlichung nicht am Geburtsort des Labels in Frankfurt, sondern zigtausend Kilometer entfernt in Tokio. Das ist aber nur scheinbar ein entrückter, fremder Ort: Japan war für die Entwicklung von Sven Väths Cocoon-Konzept immer ein maßgeblicher Bezugspunkt. Dieser Release entwickelte sich aus einer Reihe von Partys im Womb-Club, dessen Gestaltung wie die des Cocoon Clubs um eine Verbindung von Technischem und Organischem kreist. Die drei Plattenhüllen der Vinylversion ergeben ein Foto des Clubs von Starfotograf Andreas Gursky. Die Musik versöhnt die gegensätzlichen Pole von Effektivität und Kreativität, von Funktionalität und Freaksein. „Akropolis“ von Gerber & Tagar vermittelt eine strahlende Euphorie, trotzdem bewahrt der Track immer ein Geheimnis. Tiefschwarz sind mit einem überraschend experimentellen Stück vertreten, das Atem- und Klatschgeräusche mit einem linearen Housegroove verbindet. „Hope“ von Pig & Dan ist der ungebrochenste Ravetrack auf dem Album. „S’Kränkt“ verbindet Anthony Rothers Electrosound mit einer subtilen Version des Väth’schen Pop-Moments. Bei „Akklää“ wendet Ricardo Villalobos seine Subbass-Forschung auf eine packende House-Nummer an. Wie die nächsten fünfzig Platten wohl klingen werden?