Cocoon Compilation H

Man kann es nicht anders sagen: Die in jedem Sommer erscheinende, simpel nach Buchstaben benannte Cocoon-Compilation hat sich im Laufe der Zeit zu einem repräsentativen Stimmungsbild des jeweiligen Techno-Jahrgangs gemausert – im Guten wie auch im Schlechten. Gerade bei den letzten drei Ausgaben konnten sie aber mit einer durchgängig superben Qualität aufwarten, die im gesamten Compilation-Business zur Zeit einmalig sein dürfte. Dazu trägt auf den ersten Blick auch viel das spezielle Format bei: Zwar gibt es dieCompilation, mit gekürzten Tracks, auch auf CD, zur wahren Größe läuft sie aber erst in der Vinyl-Version auf. Wo gibt es das denn noch, eine jährlich erscheinende, aufwändig gestaltete Box mit sechs farbigen Schallplatten? Noch dazu, und das ist natürlich nicht gerade unerheblich, mit ausschließlich exklusiven Tracks der jeweils angefragten Produzenten. Dass die ihre Festplatte nicht nur nach liegen gebliebener B-Seitenware durchscannen, sondern mitunder ihre charismatischsten Tracks hergeben, oder oft auch genau dafür erst produzieren, spricht für den Status, den die Compilation auch bei der gesamten DJ- und Produzentenzunft inzwischen hat. Für „den Sven“ darf es gerne mal ein Hit sein. Und bei der H gibt es derer viele.
Einer der am stärksten auf Hit gebürsteten Tracks kommt dieses Mal, wen wunderts, von Dubfire mit einem super effizientem HiTec-Track, der die zwar nicht gerade originellen aber äußerst durchschlagkräftigen, aufsteigenden Fluzeugdüsensounds von einem Robert Armani Funksignal takten lässt. In ähnlich soundgewaltigen Fahrwasser schwimmt auch der Brite Simon Baker, der in seinem komplex strukturierten Track brünftige Elefanten röhren lässt und das Ganze mit einer gemütskranken, clonkigen Bassline unterlegt. Der dritte Track Techno-Track mit Bombastsound kommt von Len Faki, der hier im runtergebremsten House-Tempo und mit runtergepitchter Machostimme Großraumalarm auslösen kann.
Doch es geht hier auch weniger in your facezur Sache: Efdemin entzückt mit einem Dubtechnotrack für die Blaue Stunde, Cassy zitiert Rob Hoods Internal Empire und lässt wie gewohnt ein Loop ihrer Stimme durch den gesamten Track laufen, Raudive setzt seine Veröffentlichung kantiger Acpopbohrer fort und Joris Voorn hat mit seinem ebenfalls auf einen Vocalloop basierenden Track eine extrem euphorische Detroithymne parat. Nicht zu vergessen gibt es auch wieder ein musikalisches Lebenszeichen von Väth selbst, der hier mit Roman Flügel einen absolut okayen Technotrack mit erlösenden Noisekaskaden im Ravebreak und einer körperlich stimulierenden HiHat abliefert. Weniger zwingend sind zwar die Beiträge von Tolga Fpopan, Matt Star und Mark August ausgefallen, die sich etwas unverbindlich an Genre-Standarts abarbeiten, aber das kann den guten Gesamteindruck auch nicht mehr mindern.

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