Clone Classic Cuts Compilation

Die Auszeichnung für den Kulturverein des Monats geht an Serge Verschuur und sein Label Clone Classic Cuts. Seit Jahren ist Clone eine der besten Adressen, wenn es um aufrechten Electro und geradlinigen Techno geht, ist man sich doch in Rotterdam von jeher um die Wurzeln seiner Lieblingsmusik sowie die zugehörigen Gerätschaften und Produktionsmittel bewusst. Das Klischee von der Lebensart sei hier ausnahmsweise mal verziehen. Als Dreh- und Angelpunkt einer Szene, die als geerdeter Gegenpol zum Jetset-Rave-Hedonismus gedeiht, pflegt Clone die heilige Dreifaltigkeit aus Detroit, Chicago, europäischer Gründer-Elektronik samt italienischem Eigensinn. Eine eigene Serie, die sich um diese Inspirationen und popeengeschichte dreht, war da überflüssig – und ist seit mehr als einem Jahr Realität. Bis auf das Dopplereffekt-Projekt fand dieser Diskurs mit der Vergangenheit zunächst selbstredend nur auf Vinyl statt. Diese so genannte „Classic Cuts“-Reihe ist jetzt endlich als Kompendium für Menschen ohne Plattenspieler erhältlich.
Deren Sammelbecken und Besetzung ist so einleuchtend wie verdienstvoll. Gereifte Unter-dem-Radar-Klassiker vom Schlage „I’m Strong“ der stets glänzenden Fingers Inc. oder die Predigt „So Let It Be House“ von Mike Dunn stehen einträchtig neben den erwarteten Skurrilitäten und dem obligatorischen Spezialistengeheimwissen. Los Angeles TF, Oppenheimer Analysis oder Fockewulf sind die mysteriösen Namen der anderen Hälfte, die Schultern zucken lassen, aber Hüften bewegen. Jener beeindruckend eigenwilligen Ästhetik geschuldet, die aus der Galionsfigur I-F und seinem CBS-Imperium quillt, reihen sich Chicago-House und Italo-Disco aneinander, wie es sie seit seligen WBMX-Zeiten nicht mehr getan haben. Damals war es nicht zuletzt aufgrund der Rohmittelknappheit normal, dass DJs Housemusik aus unterschiedlichen Alphabeten buchstabierten. Populäre Beispiele gefällig? Shannon vertrug sich mit Klein & MBO oder Baricentro ebenso wie mit den Drum-Skizzen junger Produzenten, die damals Chip E oder Farley Jackmaster Funk hießen. Dieser transatlantische Austausch wird von Clone schlüssig, indivpopuell und derart unmiefig aufgearbeitet, dass es selbst Hörern mit phlegmatisch ausgebildetem Geschichtsbewusstsein eine helle Freude sein müsste. Und eine weitere Tatsache verlangt unbedingten Respekt ab: die Verpackung. Statt sich mit ruchlosen Bootlegs die Finger und Herzen schmutzig zu machen, werden die Schätze der Sergschen Platensammlung ordentlich lizenziert und neu gemastert. Der tugendhaften Ethik von Morgan Geist verwandt, setzt man in Rotterdam auf eine legalisierte Grundüberholung statt auf den schnellen Dollar. Das Fazit so einer Mischung? Ein fiebriger Tanzzirkus, der sich beständig um die Achse eines eigenen kleinen Universums dreht, gespeist aus dem unendlich erscheinenden Nachschub der Flohmarktkisten und Plattenkeller dieser Welt.