Chromophobia

Im vergangenen Jahr war der 34-jährige brasilianische Architekt und Musiker für einige der erfolgreichsten Releases des Kölner Labels verantwortlich, die dennoch unterschiedlicher kaum hätten sein können. Während „Like You“, insbesondere im SuperMayer-Mix, die sommerliche Neotrance-Fraktion glücklich machte, setzten die auf K2 veröffentlichten „Arquipélago“ und „Gate 7“ im Bereich der reduzierten Minitech-Hypnose übergreifend Akzente. Insofern erscheint es nicht mehr als konsequent, dass der Mann aus São Paulo nun mit dem Albumformat die nächste künstlerische Hürde in Angriff nimmt und, soviel sei vorweg genommen, mit beispielloser Bravour meistert. Zusammen mit Gregor Tresher ist Boratto derzeit einfach der glaubwürdigste Protagonist einer gegenseitigen Bereicherung harmonischer Querverweise der emotionalisierten Tanzfläche in der ersten Hälfte der Neunziger mit der Sprache des Techno von heute, verblüfft immer wieder mit überraschenden Breaks und einem verspielten Sinn für neuartige Soundscapes. Mit einem heterogenen Set zwischen harmonisch überzuckertem Minimalismus („Terminal“, „Chromophobia“), New Order-eskem Blueswave („Xilo“) und „Beautiful Life“, dem wiederum mit Borattos Ehefrau an den Vocals eingespielten kongenialen „Like You“-Follow Up, etabliert sich „Chromophobia“ als Meisterwerk des narrativen Techno, bleibt humorvoll und ernsthaft melancholisch in einem Atemzug und etabliert sich damit als eines der sinnstiftendsten Alben des noch jungen Club-Jahres.