Choice: A Collection Of Classics

Danny Howells ist das gute Gewissen der weltweiten Progressive-Trance/House-Szene. Falls es so eines geben sollte. Ein waschechter Engländer aus Hastings, der den Summer of Love wohl nicht bei Tee und Gebäck verbracht hat und sich heutzutage auch schon mal gerne geschminkt mit Stars und Stripes Jacke ablichten lässt, hat es bis ins riesenhafte New York geschafft. Dort lässt man Howells nur zu gerne zehnstündige Marathon-Sets absolvieren und winkt ihm mit Leuchtstäben zu. Hierzulande kennt man den Mann eher weniger. Das ließ sich nun aber auch schon über seinen Choice-Vorgänger Digweed sagen und wir Teutonen fliegen ja auch gerne Paul van Dyk liebend gerne aus. Eines muss man Howells allerdings lassen: er macht den besseren Job als Digweed. Als Kickstart dient der patinagetränkte Zanzibar-Klassiker „Alright“ von Roland Clark, gefolgt von Mike Pickerings Hacienda- und Madchester-Hymne „Carino“ und dem veritablen Turntable Orchestra. Soweit alles wie gemalt. Aber wessen Geistes Kind Howell ist offenbart sich nach kurzen Verschnaufpausen mit DJ Pierre und einem der schönsten Todd Terry Remixe aller Zeiten (P.M. Dawn), wenn die Flächen dann doch zu groß und das Arrangement zu fortschrittlich werden. Solche Sachen muss man schon mögen. Der zweite Teil ist mit Stücken von Japan, den Temptations, Faze Action fast noch einladender. In England dürften Howell und seine Klassiker manchem in die Jahre gekommen Ex-Raver seine Jugend wiederbringen. Wer nicht extrem anglophil veranlagt ist und den musikalischen Aufstieg und Fall der britischen Superclubs nachhören will, dürfte so seine Zugangsschwierigkeiten haben. Dass Howell sein Handwerk versteht, zeigt er mit dem letzten Song. Eine Sache wie diese mit dem von Chic produzierten und Carly Simon gesungenen „Why“ zu beenden – eine Sleazefest vor dem Herrn – zeugt von großer Klasse.
Tipp: Carly Simon „Why“, Japan „Ghosts“, Photon Inc „Give A Little Love“

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