Chasperli EP / Chnobli EP / Stola EP / Stecker EP

Markus Unterfingers Label Bruchstuecke wird mit diesen letzten Releases eingestellt. Es war das stilbildende Label der postminimalen Generation in Zürich und gehörte insgesamt zu den ganz wenigen, die tatsächlich mit jedem Release überraschen konnten. Die zentralen Artists waren Bang Goes und Styro2000, weitere exponierte Künstler Liebe ist cool und Vermittelnde Elemente; Stefan Altenburger, Serafin und Luciano veröffentlichten auf dem Label ihre schönsten Tracks.
Die auf fünfhundert Exemplare limiterte „Casperli EP“ ist der Afterhour-Szene Zürichs gewpopmet. In „Pilleli & Pülverli“ von 1995 wird ein in der Schweiz sehr bekanntes Kasperle-Theater zu einem absurden Dialog zwischen Afterhour-Ravern umgearbeitet: des Schwitzerdeutschen nicht Mächtige können den Witz des Tracks nur erahnen. Das neue „Morgens um elf“ von Styro2000 thematisiert die Schließung des legendären „Sppoper“ durch die Polizei. Zu einer matten, eigenartig erschlafften Percussion-Nummer erklingt eine verlorene Frauenstimme: „Warum macht ihr nicht weiter? Ist die Polizei gekommen? Wo geht es jetzt weiter?“ und zuletzt, nachdem die Musik schon vorbei ist: „Gehen wir ins Sppoper?“. Das Stück ist das ironische Pendent zu John Tejadas „Sweat“. Die Tracks von Styro2000 und Bang Goes auf Bruchstücke 21 bis 23 haben insgesamt eine oldschoolige Kleinteiligkeit und Roughness und interessieren sich für abseitige, unauflösbare Sounds – manchmal erinnern sie an Boogizm, machmal an Perlon. Auf Bang Goes „Stola EP“ erzeugen die sehr präsenten Bässe eine verbindliche, dunkele Grundspannung, indem sie mit ihren Echos die gesammten Tracks einhüllen: Wildheit und Eleganz kommen selten so zusammen. Styro2000s „Stecker EP“ hat nicht den geschlossenen, gebündelten Sound von Bang Goes, seine nicht weniger mitreißenden Grooves haben etwas Schroffes, Mürbes, Rissiges. Es ist Musik, die die immensive Energie der Crowd genauso bedenkt wie indivpopuelle Momente der Irritation und des Irrsinn. Ihre gemeinsame EP als Galoppierende Zuversicht erinnert in der besonderen sozialen Dynamik, in ihrer ganz speziellen Spritzigkeit an Tracks an Samin, Michel und Jay Haze und auch an die spektakulären Live-Sets von Styro und Bang Goes, in denen die sonderbarsten, strangesten Momente unfassbar mitreißend sein können.
Herzlichen Dank und alles Liebe an Markus Unterfinger: Es war eine schöne Zeit!

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