Blood Looms And Blooms

Seit ihr letztes Album im Jahr 2000 erschien, ist für Leila viel geschehen. Die der aktuellen CD beigelegte Information schildert in ungewöhnlicher Offenheit von Einbrüchen des Schicksals, von privatem Schmerz, von menschlichen Verlusten und einem daraus resultierenden Rückzug zur Familie. Doch auch vom Finden eines verloren geglaubten Glücks wird erzählt. Ein Glück, das lange verborgen lag, das nun zwischen zärtlichem Knistern und magischem Rauschen wieder aufblitzt. Der auf Warp erscheinende Langspieler Blood Looms And Blooms kündet eindrücklich von dieser Entdeckung, als Reise in einen Traum, die durch das lichtlose Schwarz unendlich scheinender Nächte, aber schließlich auch an verzauberte Orte voller Schönheit und Geheimnis führt. Cineastische Streicherarrangements treffen auf Sechziger-Popstrukturen, eiernde Leierkästen auf blecherne Bläser, verzerrte Gitarren und Zithern auf Spieluhren und Kinderchöre. Gäste wie Ska-Punk-Legende Terry Hall oder Martina Topley Bird (damals für die Gänsehaut auf Trickys Maxinquaye zuständig) ergänzen mit ihren stimmlichen Beiträgen die komplex inszenierten instrumentellen Arrangements und sorgen für Verschiebungen in Richtung Pop, die ihren betörenden Höhepunkt im durch tausend Verzerrer dröhnenden Beatles-Cover „Norwegian Wood“ finden. Insgesamt 14 avantgardistische, theatrale Popsongs, die jeder für sich ein Gedicht voller Sternschnuppen und Porzellanpuppen verdient hätten, versammeln sich hier als Ganzes genommen zu einem blühenden Garten in einer Schneekugel. Mein persönliches Album des Jahres bisher.