Berghain 03

Mit der dritten Episode der Berghain-Serie schwingt nun Len Faki die Keule und berserkert wie zu erwarten gleich nach dem Intro direkt nach vorn. So, wie einem Boxer erklärt wird, statt auf den Kopf des Gegners lieber etwa zehn Zentimeter hinter diesen zu zielen, schmettert auch Faki direkt durch sein hörendes Gegenüber hindurch. Hart, herzlich und dabei eben so satt Techno, wie man es bei der derzeit so omnipräsenten Klöppelhouse-Inflation fast schon wieder verlernt hat. Brutales Brett, sicher, aber man kann sich eines gewissen Eindrucks der Aufrichtigkeit nicht erwehren. Ja, irgendwie will man es „ehrlich“ nennen, wie hier das ausgehende Jahrzehnt des letzten Jahrtausends vom Leder gezogen wird. Oldschool, im besten Sinne des Wortes: Luke Slater, Speedy J & Chris Liebing, Gez Varley, Josh Wink, alle mit dabei. Gut, heute kann einem das nach einer Weile schon viel werden, vor allem, wenn man eben nicht im Club steht. Aber auch (oder vielmehr: gerade) der Berghain-Respopent weiß, wann es Zeit für die Bremse ist und dreht das Ruder nach etwas mehr als der Hälfte des Mixes mit zwei Mal Radio Slave in direkter Folge (einmal ein Exklusivtrack, einmal zusammen mit Dennis Ferrer) in eine so ungemein housige Deepness, dass die erhobene Schwungfaust vor überschwappender Emotion fast aus dem Takt rudert. Diesem Programm folgend legt Faki zwischen Laurent Garnier, Jerome Sydenham und schließlich Bloc Party im Burial-Mix eine butterweiche Landung hin, die rückblickend erst die eigentliche Wertigkeit der Compilation ausmacht.

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