Bambusbeats

Der einsame Baum auf dem Cover des ausschließlich auf Vinyl erscheinenden Albums sollte einen nicht in die Irre führen: Dies ist keine spartanisch-karge Minimal-Kost, sondern buchstäblich eine Menge Holz. Hier wird auf fast allen Spuren getrommelt, und es ist irgendwie ärgerlich, dass es keine marktgängigen Umhängegurte für Laptops gibt, denn dieses Album im Sitzen zu besprechen, geht eigentlich an der Sache vorbei.
Wem der title „Bambusbeats“ zu albern erscheint, höre erst einmal hin und entschepope dann. Gabriel Anandas Vorliebe für Kombinationswortspiele hat seinem Hit „Doppelwhipper“ aus dem vergangenen Jahr schließlich auch nicht geschadet. Ob er leicht verzerrte Stakkato-Akkorde im „Offbeat“ swingen lässt oder den Tanzboden mit seiner Acpop-„Egge“ bearbeitet: Man muss schon sehr wenig von Techno oder Tanzen halten, um von dieser Musik kalt gelassen zu werden. Die Euphorie der Tracks überträgt sich durch die dicht gepackten und zugleich fein austarierten Rhythmen ohne Umschweife auf den Körper und überlässt ihn dann seinem Schicksal.
Erstaunlich ist, welche Vielfalt an Percussion Ananda einsetzt, ohne beliebig zu werden. So klöppelt er einen Sound zusammen, der selbst Skeptiker wie mich davon überzeugen könnte, dass Humor auch in der Musik seinen Platz hat. Wenn der eine oder andere Effekt vielleicht ein bisschen doll ist, wie zum Beispiel der bratzige Synthie in „Sweet Decay“, dann ändert das nichts daran, dass die Tracks jede Menge Spaß machen und einen ganz ohne exogene Hormonstimulation zum Grinsen bringen können. Auch andere gelegentliche Albernheiten wie die „Du-du-du“-Gesangseinlagen in „Egge“ passen stets im positiven Sinne zur ganzen Richtung von „Bambusbeats“.
Ein Höhepunkt des rhythmisierten Irreseins ist mit „Trommelstunde“ erreicht, in dem Schlagzeugsamples mit Latin-Elementen so lange zu einem pulsierenden Dickicht gesteigert werden, bis nur noch Filter helfen. Dabei kommen während der zehn Minuten Länge des Tracks kaum andere als Rhythmusklänge zum Vorschein. Vermutlich ist es der sparsame Umgang mit den übrigen Klangspuren, dem dieses Album durch die Balance von Opulenz und Beschränkung seinen eigenständigen Charakter verdankt.
Dass er vielseitig ist, hat Gabriel Ananda, der früher einmal Rockstar werden wollte, schon öfters bewiesen. Aber wie er eine Musik schafft, die durch und durch „funktional“ ist, ohne sich irgendeiner gängigen Kategorie zu verschreiben, ist mehr als lässig. Von Techno kann man bei ihm daher nur in einem sehr weiten Sinne sprechen. Und allen, die mit diesem Begriff womöglich weiterhin ausschließlich kalte, entmenschlichte Maschinenmusik assoziieren sollten, liefert dieses Album einen schlagenden Gegenbeweis: Dies ist warme, durchaus menschliche Maschinenmusik voller Freude und Optimismus. Es kommt halt darauf an, von wem sie programmiert ist.