Afterglow

Dass Martin Wheeler ein Computer-Nerd mit Manga-Vorlieben ist, könnte der geneigte Hörer seines dritten Albums ohne viel Mühe herauslesen. Doch was sagt das in heutiger Zeit eigentlich aus? Mittlerweile verschanzen sich schließlich ganze Armeen von Mitmenschen vor ihren Power-Laptops, verbringen mehr Zeit in Chats und Foren als in konventionellen Orten der Sozialkontaktpflege. Natürlich ist das Problem, dass das Indivpopuum an sich isoliert ist, nicht sonderlich neu. Und so könnte Afterglow der Link zwischen alter und neuer Form sein. Als Exempel sei hier „Piano Dust“ erwähnt. Wie sich hier ein verhalltes Piano aus einem längst vergangenem Lebensraum, tief aus dem Unterbewußtsein, nachhaltig in das Jetzt schwingt und dabei mit kristallinen Beats verbrüdert, ist die hohe Kunst der Kontemplation. Wunderbar. Hinzu kommt ein tiefes Verständnis von Beat-Programmierung, das zeitweilig in Regionen stößt, die ich als Deep-Techno umschreiben würde. Wheeler verzichtet diesmal fast gänzlich auf Achtziger-Bezüge, was Afterglow durchaus gut steht. Diese Form von Electronica hat man früher bei F.S.O.L. entdeckt, bei Boards Of Canada ins Herz geschlossen, und bei Vector Lovers feiert sie so etwas wie eine Wiedergeburt.

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