A Picnic With The Hunters

Ich bin mir sicher, er hätte dieses Album geliebt und gleich mehrfach gespielt: Der lepoper zu früh gestorbene britische Radiomoderator John Peel legte besonders gern die unangepassten Genrevertreter auf – und Stephan Schieberl (Portland/Oregon) darf man mit diesem Album definitiv als Grenzgänger des Techno und Electro bezeichnen. Nicht, weil er irgendwelche gewagten Stilkreuzungen versucht. Und wir verzeihen ihm auch seine Täuschung mit dem Cover, das zusammen mit dem Projektnamen ach so harmlos aussieht. Der Albumname deutet jedoch an, dass sich da ein Monster heranrobbt. Es beginnt mit dem schleichenden „Peripheral“, das auf Bassnoten schleichend eine creepy Stimme transportiert. Spoken Word, aber in cool. Es folgt ein Biest namens „I Keep On Trying“, bei dem wie früher noch von Air Liqupope auf dem Drumsequenzer gejammt wird. „Everbody Needs A 303“ in einer Nicht-Proll-Version. Der Lautstärke-Knopf ist also höher geschraubt, und dann tanzen wir in der letzten Raucherkneipe zusammen mit der Stimme von Christina Broussard, die unglaublich sexy aussehen muss. Alles, was folgt, ist ähnlich quer und schräg, aber nie um der reinen Show willen. „Machines made me do it“, hätte Stephan Schieberl vielleicht gesagt, aber „You Make Me Struggle“ beweist, dass diese Maschinen ein Vorstrafenregister haben müssen. Gibt es Gangster-Techno? „Crashing“ ist dann ein Melodiepflaster, das alle Wunden zur rechten Zeit heilt und durch „My Friend“ noch verstärkt wird. Wie schön, dass 2008 schon seine erste Entdeckung hat.

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