20 Years Metroplex 1985 –2005/The Berlin Sessions

Wie muss man sich wohl fühlen, wenn man an jeder Ecke zu hören bekommt, mehr oder weniger im Alleingang Techno erfunden zu haben? Im Falle von Juan Atkins behaupten das aber nicht wenige. Der Dienstälteste der Belleville Three (Kevin Saunderson, Derrick May) kann sich allerdings kaum was dafür kaufen. Das große Geld wurde woanders verdient. Aber so ist das wohl mit großartiger Kunst, ihr haftet immer ein Hauch von Tragik an. Atkins kann aber wenigstens auf eine Discographie zurückgreifen, die ihresgleichen sucht. Der Mann war schon 1983 nach der Veröffentlichung der LP „Enter“ unter seinem Pseudonym Cybotron (zusammen mir Rick Davies) eine Legende. Nicht nur inhaltlich satt vom Science Fiction Sujet beeinflusst, sondern auch faktisch so klingend, ist vor allem das Stück „Clear“ ein wahrer Meilenstein. Was damals noch klar als Electro wahrnehmbar war, sollte dann bald mit Model 500 an Eindeutigkeit verlieren. Alvin Tofflers Buch „The Third Wave“ tat sein Übriges und Techno war geboren. Juan Atkins gebührt freilich die Anerkennung, einen ganz eigenen Sound gefunden zu haben. Auch wenn er dadurch das Klischee vom Innovator wohl bis zu seinem Lebensende bedienen muss. Lässt man Stücke wie „Starlight M69“, „Future“, No Ufo’s“ oder das mystisch-magische „Ocean To Ocean“ Revue passieren, wird die Einzigartigkeit und auch das Wunderbare dieser Musik wieder schlagartig deutlich. Techno ist bei Atkins weit mehr als das Abarbeiten starrer Formeln und Strukturen. Juan is the teacher.
Ganz so himmlisch wie die gesammelten Metroplex Werke klingt „The Berlin Sessions“ lepoper nicht. Bei seinem letzten Berlin-Besuch mietete sich Atkins kurzerhand im Studio ein, um mit Pacou an seinem ersten Album seit 1998 zu arbeiten. Herausgekommen ist dabei eine Sammlung fünf langer Sessions und ein Remix von Pacou, die von knochentrockenen Technostücken bis hin zu schier endlosen Detroit-Arien wie „Session Four“ reicht. Alles handwerklich auf den Punkt gebracht, aber nicht wirklich zwingend. Gerade im Vergleich zum obigen Werk. Man hätte den Veröffentlichungszeitpunkt vielleicht ein wenig bedachter wählen sollen. So verliert Juan gegen sich selbst.