1983 – 2008 Disco Modernism

Menschen, die einer bestimmten Beschäftigung länger als 25 Jahre nachgehen, nennt man im Volksmund alte Hasen. Fred Ventura ist so einer. New Wave hat der Mailänder noch aus erster Hand miterlebt, er war Sänger bei der lokalen Größe State Of The Art und einer der ersten Liebhaber der Methode: ein Mann, ein Synthie, eine Drum Machine. Gleichermaßen animiert von der New-Order.Montagshymne wie von den zahlreichen Streichen des Bobby O legte Ventura sein Schicksal in die Hände der Tanzmusik. Ein Vierteljahrhundert später würdigen ihn die Archäologen und Mediävisten von Clone in einer Anthologie. In Rotterdam war Ventura in den vergangenen Jahren eigentlich ständig präsent. Entweder lieh er seine Stimme dem vorwitzigen Alden Tyrell oder der grauen Eminenz I-F, oder aber er tauchte in ihren DJ-Sets azf. Für Verächter von Italodisco mag Venturas Musik so schmerzhaft wie eine Wurzelbehandlung sein. Englische Grammatik und Aussprache behandelt er genauso lax wie seine überdrehten Popmomente. Und er hat einen Höllenspaß dabei. Toptitle wie „Crocodiles In The Sky“ führen zudem vor Augen, warum DJs in Chicago verrückt nach italienischen Importen waren und was Weihelieder wie „Your Love“ von Jamie Principle und Frankie Knuckles damit zu tun hatten. Ventura hat sowohl Charakter als auch Seele und allemal genug Manneskraft, um Alexander Marcus in den Hintern zu treten.

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