STEFFI Yours & Mine (Ostgut Ton)

Ob Steffie Doms im Herbst 2007 bei ihrem Wegzug aus Amsterdam wohl schon den perfekten Plan in der Tasche hatte? Oder ob dann, endgültig angekommen in Berlin, nachdem sie bereits zwei Jahre zuvor Resident-DJ der Panorama Bar war, alles Schlag auf Schlag kam? Der erste Track, die erste EP und nun das erste Album – all das in nicht viel mehr als einem Jahr. Wer hinter Yours & Mine allerdings einen geradewegs daneben gegangenen Schnellschuss vermutet, der irrt und hat mit Sicherheit auch den bisherigen Veröffentlichungen der Niederländerin zu wenig Beachtung geschenkt. Denn schon da konnte man erahnen, mit welch stilistischer Sicherheit Steffi auch auf Albumlänge entlang facettenreicher Sounds wandern würde, bei denen die Tiefe stets im Zentrum steht und mit Geschick ihre unerschütterliche Balance zwischen House und Techno findet. Entstanden ist dabei eine sinnliche und warme Reise durch die Tiefen der Nacht, die sich neben jeder Menge Freiheiten vor allem eins nimmt: Zeit. Gut Ding will schließlich Weile haben.

Als Resident des Clubs Paradiso erspielte sich Steffi schon in Amsterdam einen Namen als DJ mit mindestens genauso viel Sinn und Verstand wie Jack im Blut. Konsequent und passioniert trieb sie als Label-Betreiberin (Klakson, Dolly) und Partyveranstalterin eine Szene voran, die sich bewusst zum kommerziellen holländischen Dance-Business abgrenzen wollte. Vielleicht war es also tatsächlich nur eine Frage der Zeit, bis Steffi auch als Produzentin ins Rampenlicht treten würde. Mit Yours & Mine macht die Holländerin jetzt dort weiter, wo Prosumer und Murat Tepeli vor einigen Jahren angefangen haben: bei erfrischend oldschooligem House mit reduziert-dev.groove.den Chicago-Anleihen und dem in letzter Zeit auf Ostgut Ton so stark vermissten Pop-Appeal.

Schon mit den ersten Takten des Openers „Lilo“ schafft Steffi einen harmonischen Ausblick auf das, was noch kommt: warme, analoge Synthesizer, zwingende Basslines sowie Flächen, die anmutig über erdig pumpenden Bassdrums, messerscharfen Snares und kühnen Claps schweben und sich wie ein roter Faden durch Yours & Mine ziehen. Mit der Unterstützung von Sängerin Virginia gibt es auf dem Album zudem zweimal klassisch anmutenden Vocal-House zu hören. Während sich dabei „Yours“ mit kraftvollen Akkorden im Gepäck noch elegant auf die Peaktime zubewegt, versprüht „You Own My Mind“ einen bittersüßen, sich gemächlich entfaltenden Late-Night-Charme. Eine sehnsuchtsvolle Hymne, die nicht nur zutiefst berührt, sondern auch weit über das Ende der Nacht hinausträgt.

Immer wieder verwischt auf Yours & Mine die Grenze zwischen kühler Schlichtheit und erfüllender Komplexität, zwischen Oldschool und Moderne sowie geradlinigem Jack und wundersamer Intensität. Ohne große Experimente oder Genre-Umwege gelingt Steffi damit ein zugleich melancholisches wie erhabenes Album – für die Tanzfläche im Club, in der Wohnstube oder einfach tief im Herzen.