DIVERSE Bangs & Works Vol. 1 (Planet Mu)

„Es dauert eine Weile, bis sich dein Gehirn an Footwork gewöhnt hat, aber es lohnt sich“, sagte einmal Planet-Mu-Betreiber Mike Paradinas, und er sollte verdammt Recht damit behalten. Footwork kann man nicht einfach so im Hintergrund laufen lassen. Footwork bedrängt den Zuhörer mit Beats jenseits der 160 BPM, synkopierten Snares, die wie Geschützfeuer klingen, und gewaltigen, alles durchdringenden Subbässen. Seit 20 Jahren schon köchelt dieser Ghetto-House-Hybrid in den Slums von Chicago und findet nun einige seiner einflussreichsten Stücke auf dieser Compilation versammelt. Neben einigen für den Hörer sehr zugänglichen Stücken wie DJ Rashads „Teknitian“ oder DJ Spinns „2020“ gibt es auch einige sperrige Tracks, allen voran die des 20-jährigen DJ Nate, womit wir auch wieder bei Mike Paradinas Warnung vorab wären: Wie auf „He Ain’t Bout It“ spielt DJ Nate Samples in verschiedenen Geschwindigkeiten direkt nacheinander ab, wodurch das Original plötzlich fremd, ja seltsam außerweltlich klingt. Noch eindrucksvoller kann man den Effekt dieser Technik auf Tha Popes „That Things“ erleben. Tha Pope benutzt ein Sample von Beyoncé und legt es in mindestens fünf verschiedenen Oktaven über sein brachiales Stück, wodurch ihre Stimme etwas Bedrohliches, absolut nicht mehr Menschliches erhält. Mit „Eraser“ zeigt RP Boo seine futuristische Vision von Gangsta-Rap, die selbst ohne Kickdrum extrem tanzbar und energetisch ausfällt. Und genau das ist auch der übergeordnete Zweck, dem all diese Stücke genügen müssen. Denn sie alle sind in erster Linie Werkzeuge für die unfassbar schnellen Schritte der Footwork-Tänzer, für einen Stil der keine Kopfsache ist, sondern etwas unmittelbar Physisches.