BOOKA SHADE More! (Get Physical)

Es beginnt mit einem Missverständnis. Vielleicht ist es ein absichtlicher Tritt gegen das Knie und will sagen: Hört her, wir können auch anders klingen. „Havanna Sex Dwarf“ klingt nach bouncy Kirmeshouse, aber ist in seiner Machart für ein Eröffnungsstück viel zu offensichtlich. Da ist nichts Subtiles, nichts Aufbauendes, nichts mit Anlauf. Wenn Arno Kammermeier und Walter Merziger ihr bestes Rezept langweilig geworden war, kann man das verstehen. Aber zum Glück irritieren sie uns nur für einen kurzen Moment. Schon bei „Donut“ ist wieder alles da, was Booka Shade so außergewöhnlich macht. Während andere nur im seichten Tümpel fischen, erscheinen Booka Shade wie nach einem Ausflug in den Marianengraben. Sie machen tanzbaren Dub bei „Regenerate“, befeuern jeden Ravefloor mit „Teenage Spaceman“ oder „Scaramanga“ und haben auch in der Afterhour mit „This Is Not Time“ noch ein Eisen im Feuer. Und bei „The Door“ lassen sie das Wort „Electro“ in äußerst knappem Stringtanga über die Bühne tanzen. Trotz all dieser Bezüge und Verweise könnte man einen Track von Booka Shade in einem Set immer wieder raushören. Bleibt noch das Ausnahmestück „Divine“, bei dem Dieter Meier von Yello wieder mal beweist, wie man nur per Stimme Aufmerksamkeit auf sich lenkt. Vielleicht wären mehr solcher Stücke der Schritt in eine neue Richtung von Booka Shade gewesen. So bleiben sie eins der besten Clubduos dieser Zeit, und die Frage wäre, was man daran unbedingt ändern müsste.