HUDSON MOHAWKE Butter (Warp)

Jetzt kommen die Wizards des Wonky ins Albumalter. Hudson Mohawke, auf seinen ersten Veröffentlichungen noch als HudMo in Erscheinung tretend, hat nach seinem berühmten „Ooops!“-Remix zunächst auf Ubiquity und Ninja Tune veröffentlicht, um schließlich dann doch bei Warp zu landen. Sein Sound der willkürlich hochgepitchten Keyboard-Melodien und gestauchten Beats erreichte erstmals eine teuere Lackierung, als er Anfang dieses Jahres die EP „Polyfolk Dance“ für sein neues Zuhause veröffentlichte. Mit dem „Polkadot Blues“ hatte er sofort einen neuen, von Dubstep informierten Hit hochfrequentiger Beats geschaffen. Andere Tracks jedoch waren in die Jazzrock-Falle gestolpert. Und nun? Die Frage ist, was ein Album soll, das aus lauter Aufmerksamkeitsdefizit-Syndrom-verursachenden und -verstärkenden Tracks besteht. Einen kohärenten Rahmen herstellen? Oder doch eher eine bunte Wühlkiste bauen, in die Hörerinnen und DJs nach Laune und Publikumsstimmung hineingreifen können? Die Frage nach dem Album als Narrativ erledigt sich für Hudson Mohawke allein schon dadurch, dass Ausflüge in Popnähe ziemlich ermüden. Mit den Sängern Oliver Daysoul und Dam-Funk versucht sich der junge Glaswegian hier an Powerfunk, doch dazu fehlt ihm das Gespür für Songwriting. Das braucht Mohawke allerdings auch nicht – seine Stärken liegen im Herstellen von Fantasybeats. In einem Stück wie „Fruit Touch“ gibt es derart viele mögliche Zählzeiten, dass jede Orientierung verloren geht. Und kurz vor Schluss beweist er mit „Allhot“ noch, dass er doch mit Stimmen kann: Sängerin Nadsroic aus Glasgow wird hier in Laserschwert-Geklöpel collagiert. Es braucht also nicht den Popsong, und es braucht auch nicht das Album für diese Art von Neo-Wildstyle. Ein irrer Typ ist er trotzdem.