JOE GODDARD Harvest Festival (Greco-Roman)

Der Bauer bringt die Früchte heim. Joe Goddard, der freundliche Grummelbär von Hot Chip, hat sich in der jüngeren Vergangenheit bei DJ-Sets verstärkt als der Part der englischen Indie-Elektronik-Nerds herausgestellt, der wohl am intensivsten an elektronischer Tanzmusik in ihrer puren Form interessiert ist. Von buntem Genre-Hopping, das Hot Chip vor allem auf ihrer DJ-Kicks-Folge betrieben haben, war da nix mehr zu hören, sondern nicht selten Housesets in reinster Darreichung. Goddards erstes Soloalbum ist so die Auseinandersetzung eines in London aufgewachsenen Musikliebhabers mit Clubmusik diversester Spielarten geworden. Das geht von geradeaus jackendem House hinüber zu minimalistischem Techno. Zudem, weil ja im UK seit jeher nicht unbedingt die gerade Vier auf dem Floor regiert, arbeitet sich Goddard auch an 2Step, Dubstep und Garage ab. Die Stücke tragen dann title wie „Tropical Punch“, „Mango Chutney“ oder „Pineapple Chunk“ und klingen entsprechend fruchtig. All das passiert mit klassischem Lo-Fi-Charme, man kann gar nicht anders, als sich beim Hören dieser Platte ständig den bärtigen Indie-Frickler in Strickjacke und Karohemd vorstellen, der da in der Garage an seinen merkwürdigen Sounds herumschraubt. Das macht durchgehend Spaß und bounct, klingt aber nicht selten ein klein wenig nach bloßer Fingerübung, so wie das hobbymäßige Herumprobieren in neuen, fremden Welten.