HOT CHIP Made In The Dark (EMI)

Gladiatoren gleich betreten Hot Chip die Arena. Die ersten Feedback- und Synthieklänge des Nachfolgers zu The Warning, dem sie ihren kometenhaften Aufstieg zu DEN Kritiker- und Publikumslieblingen 2006 zu verdanken haben, lassen nichts anderes erahnen: Eine Live-Band, fähig, große Bühnen zu meistern, ist hier am Werk. Man kann die johlende Menge beim sich hochschraubenden Bombast-Intro förmlich hören. Und dann geht es auch schon ab: röhrende Gitarren, Tröten, Claps, Rasseln, Sirenen, Schweineorgeln, Stolperbreaks, Schreie. Bamm, bamm, bamm. Dazu der für Hot Chip so typische mehrstimmige Gesang und eine griffige Melodie: Fertig ist der erste Hit.

Der erste Albumtrack „Out At The Pictures“ ist lange nicht das einzige Stück dieser Art auf Made In The Dark. Die Platte ist gespickt mit schrägen Pop-Songs, die nicht immer sofort, spätestens aber beim dritten Hören zünden – umso besser, dann nutzen sie sich nicht gleich ab. „Ready For The Floor“, „Shake A Fist“, „One Pure Thought“, „Hold On“ und so weiter: Die Kracher haben viele Namen. Hot Chip verbinden auf ihrem neuesten Wurf die jeweiligen Vorzüge der Vorgänger – die Verschrobenheit ihres campy Erstlings Coming On Strong, dem allerdings der Mut zu großen Gesten fehlte, und die Zugänglichkeit von The Warning, auf dem die plötzlich hippen Nerds ihren Sound etwas aufpolierten und, womit ihnen großer Pop gelang.

Made In The Dark wirkt rockiger, ist weiterhin nie um eine zusätzliche, elektronische Klangquelle verlegen, verdaddelt sich aber nie. Falls doch, dann bewusst. Wie im lärmigen „Bendable Poseable“ oder der Vorab-Maxi „Shake A Fist“, bei der das Quintett einfach ein bleependes und anstrengendes „Sounds Of The Studio”-Intermezzo zwischenschaltet und die Pop-Nummer scheinbar schrottet. Und dennoch: Sie kriegen das Stück nicht kaputt. Das ganze Album verströmt eine solche Souveränität, dass man schnell überzeugt wird, dass diese überbordende Spielfreude sein muss, obwohl man sicher aus den ganzen Ideen locker ein Doppel-Album hätte machen können.

Überhaupt scheinen Hot Chip aus einem prallen Fundus an Songs schöpfen zu können. Das vorab durchs Netz geisternde „I Became A Volunteer“ fehlt, ebenso die beiden Songs der 7-Inch, die jüngst auf ihrem Konzert in London verteilt wurde. Wenn man darüber hinaus noch bedenkt, dass sie in der Zeit, in der andere ihren Rechner hochfahren, einen neuen Remix raushauen (gefühlte 15 Stück 2007), in diverse Nebenprojekte eingespannt sind und ausgiebig touren: alle Achtung.

Den Hut muss man also erneut ziehen. Diese funkelnde Legierung, bestehend aus Falsett-Gesängen, rückwärts abgespielten Vocal-Loops, Mr.-Mister-Pianos, Trance-Flächen, Techno-Beats, funky Breaks, verschachtelten Percussions, billigen Achtziger-Computer-Sounds, sleazy E-Gitarrenriffs, Casio-Orgeln und Acid-Basslines, aus der sie sowohl Uptempo-Gassenhauer als auch zarte Balladen formen, wird Hot Chips Status als jedermanns Lieblings-Geeks festigen. Made In The Dark ist The Warning mindestens ebenbürtig. 13 Stücke, keine Ausfälle. Stark.