MAP OF AFRICA Map Of Africa (Whatever We Want Records)

Map of Africa sind Thomas Bullock und Harvey Bassett. Der erste ist eine Hälfte der Schorre-Disco-Rabauken von Rub’n’Tug und der andere genießt als DJ Harvey den Status eines Heilands. Zumindest für die Sorte von Menschen, die an den endlosen Sommer glauben. Oder für die, die sich schon seit Jahren an dem anarchischen Neo-Disco-Sound reiben, der mal in London seine Anfänge nahm.

Das New Yorker Label Whatever We Want Records darf nun deren Debütalbum präsentieren. Deren Name könnte übrigens nicht besser gewählt sein. Whatever We Want zeichneten sich bisher vor allem durch künstliche Verknappung aus. Die Maxis und Singles des Labels kamen in wunderbar aufwendigen und künstlerisch anspruchsvollen Taschen, waren streng limitiert, eigentlich nicht über herkömmliche Vertriebswege zu beziehen und fast mit Beschaffungskriminalität verbunden. Die Fashionista war aufgrund dieser Chuzpe natürlich hin und weg, die Platten von Quiet Village oder Map of Africa bald rarer als Hühnerzähne und in Gold aufgewogen. Eine Perpetuum Mobile des Hypes. Mit dem Album der beiden im amerikanischen Exil lebenden Briten soll aber alles anders werden. Man hat sich sogar dazu durchgerungen, Promotion zu betreiben. Die Musik dankt es seinem Label. Es wäre nämlich eine Schande, wenn diese versanden würde. Vorausgesetzt, man erwartet kein House- oder Disco-Album. Die 14 Stücke auf dem Album tanzen nämlich allesamt aus der Reihe. Oder besser: rocken. Die vorliegenden DJ-Karrieren der Protagonisten werden weitestgehend ausgeblendet. Als Substitution gibt es Krautrock, kalifornischen Rock, Country Rock, Progrock und Mellow Rock. Rockmusik in allen Formen eben. Von Flash & The Pan, zur Steve Miller oder Little River Band und zurück zu den Beach Boys. Natürlich im sympathischen Lo-Fi-Klangbild und unterbrochen von balearischen Soundspielereien (ganz wunderbar: Ely Cathedral) und getragen von einem angenehmen Groove, der wenigstens darauf hindeutet, dass diese Menschen den Großteil ihres Lebens in Discotheken verbracht haben.

Der beißende schwarze und anzügliche Humor (eine Map of Africa ist das, was nach dem Sex auf dem Bettlaken übrig bleibt) und Harveys ironische Reibeisenstimme und Darbietung am Mikrofon erledigen den Rest. Der kann man sich überraschenderweise schwer entziehen und selbst wenn er manchmal – Motörheads Lemmy nicht unähnlich – übersteuert, sind der Surfsound von „Freaky Ways“ oder die Sonnenuntergangsschnulze „Here Come The Heads“ schwer zu toppen. Nörgler werden das alles auch als des Kaisers neue Kleider abtun oder sich einfach dem Charme ergeben. In Zeiten, in denen die meisten Alben um ihre eigene Ratlosigkeit kreisen und Jahresbestenlisten so schwer zu bauen sind, wie Kartenhäuser mit Fäustlingen, eine echte Alternative. Und irgendwas muss tatsächlich dran sein. An diesem Platz namens Kalifornien.