KALABRESE Rumpelzirkus (Muve Recordings)

Der mit roter Farbe beschmierte Mann auf dem Cover ist kein blutrünstiger Massenmörder, sondern Kalabrese aus Zürich, und dass der uns nur Gutes will, wird gleich bei den ersten Tönen von Rumpelzirkus klar. Denn da fühlt man sich gleich von Anfang an wohl, der Groove schnappt sich zuerst den Großen Zeh, der wippt mit und noch bevor Kalabrese mit ursympathischen Texten mit Schweizer Färbung punkten kann, ist der Rest des Körpers auch schon am schwingen. Und das geht so weiter, jedes der elf Stücke auf „Rumpelzirkus“ ist ein Treffer, ob es jetzt der klassische Clubtrack ist wie z.B. „Not The Same Shoes" mit Kate Wax als Gast an der Stimme oder Tracks, die rüberkommen wie eine tolle Jam-Session im Club um die Ecke, den es nur in den eigenen Wunschvorstellungen gibt, wie z. B. „Deep" oder „Auf Dem Hof".

Kalabrese weiß offensichtlich genau, was er macht. Sein Können spielt er aus und nutzt es als Freiraum für viel Verspieltheit. Dieses Rumspielen ist einfach extrem ansteckend, man will beim Hören von diesem Album tanzen, albern sein und auf Coolness spucken. Dieses Album will man zum Essen mit Freunden hören, im Auto auf dem Weg in den Club und dann auch dort die Freude raus lassen und sie zu teilen. Musikalisch gesehen bewegt sich „Rumpelzirkus" irgendwo zwischen zeitgemäß und zeitlos, zwischen Funk und House, zwischen Ballade und Clubhymne. Vieles auf diesem Album hat handgemachten Charakter, womit aber auf keinen Fall Dilletantismus gemeint ist – sondern eher Charakter. Wenn bei „Hou Anthem" am offenen Fenster die Polizei vorbeifährt oder es bei „Auf dem Hof" im Hintergrund irgendwo so klingt, als hätte jemand eine hängengeblieben Kopie von „Carwash" aufliegen, fügt sich das schön in den Rumpelzirkus ein und hat Anteil an dem, was dieses Album so besonders macht. Das sehr gelungene „Hafenlied" zeigt, was es ausmacht, wenn ein Track mal eben nicht so instrumentiert und produziert ist, wie es gerade alle machen.

Die Grooves von Kalabrese gehen irgendwie tiefer als der Durchschnitt, das ausgelöste Glücksgefühl strahlt in den Tag hinein. Auf dem Technofloor findet dieses Album nicht unbedingt statt, vielleicht noch am ehesten mit „Not The Same Shoes", dafür aber im Houseclub um so mehr, zum Aufbau, zur Peaktime und zum Runterkommen. Vergleiche mit anderen Produzenten wären hier fehl am Platz. Dieses Album hat viel Eigenes, gleichzeitig kann man die Stücke gefühlsmäßig mit all dem messen, was uns über Jahre ans Herz gewachsen ist. Truely Felt Housemusic eben. Wenn House im Jahr 2007 so kommt wie dieses Album, können wir glücklich sein. La Suisse: Douze Points!