GUY GERBER Late Bloomers (Cocoon)

Man kann unserem Newcomer des Jahres ja so Einiges nachsagen, aber wenn er als künstlerische Prämisse ausgibt, erinnernswerte Musik für die Gänsehautmomente zu kreieren, dann trifft das einfach den Nagel auf dem Kopf. Late Bloomers ist das Idealbild dessen, wie man romantischen Techno in die Herzen brennt und – bei aller Verspieltheit im Detail und Klangassoziationen zwischen Detroit, Chicago, Trance, Disco und Pop – dennoch den Zug nach vorne nie aus dem Auge verliert. Das gilt natürlich für die hier nochmals gedroppten Erfolgssingles „Sea Of Sand“ und „Belly Dancing“, aber auch der Rest des Albums fällt in keiner Weise ab. Egal ob der Titeltrack deepen Pianohouse in cineastischen Mollfarben entwirft, bei „Unfulfilled“ ein frankophiles Akkordeon im Wettstreit mit Metro Area-Disco und Oldschool-Funk tritt, „Are You Naked?“ subtil von Ferrer/Sydenham–artigem Tropen-Tribalhouse zu Saunderson-Pianos und Acid driftet oder mit „2 Birds One Stoned“ melancholisch-spleeniger Hypnopop zelebriert wird, der Mann aus Tel Aviv bleibt bei aller Opulenz fernab von jedem Kitsch und schafft mit Late Bloomers nichts weniger als: Ein Meisterwerk!