APPARAT Walls (Shitkatapult)

Gut. Ist das Frühwerk also abgeschlossen. Mit „Walls“ macht Sascha Ring einfach mehr drauf los. Die Platte klingt trotzdem saugut und ausgearbeitet. Doch sie hinterlässt den Eindruck, dass Ring auf einer Apparat-Platte nun nicht mehr penibel drauf achtet, seine Identität „Laptop-Produzent Apparat“ zu inszenieren. „Walls“ schwingt, fließt, wirbelt. Da ist nichts mehr fest.

Seit „Duplex“ von 2003 hat Apparat keine Alben mehr veröffentlicht. Entstanden ist „Walls“ in den vergangenen bepopen Jahren, in denen Ring vor allem den Technolectro-Kollaborator gab. Seine Arbeit mit Ellen Allien als Orchestra Of Bubbles im vergangenen Jahr ist zurecht bejubelt worden. Wann immer sich während der Aufnahmen des Orchestra etwas Zeit fand, nahm er sich einen circa 70 Tracks umfassenden Ordner angefangener Apparat-Tracks vor, wählte aus, und machte fertig. Auch mit Modeselektor spielte er unter dem gemeinsamen Namen Moderat in der jüngeren Zukunft gerne mal live. Und sagt, dass er gerade von denenen gelernt hat, es einfach laufen zu lassen. Das alleine lässt „Walls“ aber auch noch nicht so klingen, wie es klingt.

Songs hat er geschrieben, und die brauchen Stimmen. Wobei hier selbst die Instrumentals wie Part 1 und 2 von „Fractales“ klassische, songartige Spannungsbögen schlagen. Kommen die Sänger aber hinzu, dann zeigen sie immer, dass sie jetzt genau dafür bitte die Richtigen sind. An keiner Stelle wirkt es, als sollte ein irgendwie nicht ganz okayer Track mit ein paar Vocal-Fresken aufgehübscht werden. Lustigerweise war der erste Eindruck beim Auftauchen der Stimme von „Hold On“: „Star“. Hat Prince hier gesungen, sowas wirbelte als Fragezeichen durch die Luft. Tatsächlich ist es einer, der vom Singen her mit Allen mithalten kann in Sachen Soul: Raz O’Hara. Und wenn Sacha Ring selbst sein Falsetto in „Arcadia“ erhebt… großes Schweben. Jay-Jay Johanson? Nö, der hat zwar gerade eine super Platte draußen, doch das macht Ring dann auch noch selbst.

Weniger fühlende Stimmen hätten diese leichten Songs in einem Streich kaputt gemacht, doch auch mit Klas Yngborn auf „Limelight“ als drittem Vokalisten der LP geht alles gut. Dass die Streicher-Arrangements und das Live-Schlagzeug auf einigen Stücken so easy mitkommen, das liegt natürlich auch an den Produktions-Fähigkeiten von Sacha Ring. Bekannt ist, dass er für befreundete Leute wie eben Modeselektor Software produziert, und auf www.apparat.net bietet Ring einige selbstprogrammierte Delays nebst dem Live-Tool „Dschihad“ zum Download an. Der Technolectro-Kollaborator, der Song-Sucher und der Laptop-Produzent haben sich hier gefunden, und sie bieten Electronica-gesteuertem Pop eine Zukunft. Hätte man eigentlich gar nicht gebraucht. Jetzt ist sie da und klingt.