MARC ROMBOY Gemini (Systematic)

Sich nach knapp fünfzehn Jahren höchst erfolgreicher musikalischer Prägung im Trance-Sektor noch einmal gänzlich neu zu erfinden, das zollt schon eine ganze Menge Respekt ab. Andererseits ist es letztlich nicht einmal so wichtig, dass der Mönchengladbacher Marc Romboy als die eine Hälfte von Marc & Claude die Clubmusik der Neunziger mitgestaltete, gehen doch die ästhetischen Referenzen von Systematic in eine völlig andere Richtung. Als zweites Artist-Album nach John Dahlbäcks Man From The Fall ist Gemini die sogar noch zwingendere Huldigung an den Spirit von Chicago-House in einem modernisierten Electrodiscorave-Kontext, für den man auch die Get-Physical-Jungs immer gerne bemüht. Und dass sich Romboy neben Gigolo-Remixer Tommie Sunshine und Blake Baxter zur vokalen Unterstützung auch gleich noch Robert „I´ll Be Your Friend“ Owens ins Studio eingeladen hat, verrät einfach Stil. Ganz schön schwer aus den elf auf CD unauffällig zusammen gemixten Tracks einzelne besonders herauszuheben, wenn auch das mit Owens produzierte „In My Mind“ als leuchtende Vision durchgehen könnte, wie agil und frisch Deep House im Jahre 2006 noch klingen kann, während der mit Tommie Sunshine eingespielte furiose „Body Jack“ das sägende Ravesignal nach Chicago bringt. Aber letztlich ist der Titel des pathetisch melancholischen dritten Tracks genau das, was man mit Systematic derzeit assoziieren sollte: „Impact Disco“!